zurück zur Navigation »

Kaiser Josef Denkmal

Baujahr: 1887

Anzahl der Ansichten: 7332 | Dieses Objekt existiert nicht mehr.

Kategorie: Denkmäler, Brunnen, Gedenktafeln

Adresse: náměstí krále Jiřího

 
 
 

Das Kaiser Josef Denkmal

An der Stelle des ersten Marktbrunnens im oberen Teil des Marktplatzes wurde im Jahre 1887 ein vom Egerer Bildhauer Karl Wilfert entworfenes und in Wien gegossenes Denkmal Josefs II. enthüllt. Das Standbild, ursprünglich als Symbol der liberalen politischen Tradition errichtet, wurde in der Zeit der Ersten Republik zum Symbol der Nationalitätenkonflikte, die ein überregionales Ausmaß annahmen. In der Nacht zum 14. November 1920 rissen die tschechischen Soldaten die Figur des Kaisers herunter und nahmen den abgerissenen rechten Arm mit in die Kaserne. Die Egerer stellten noch in der gleichen Nacht unter dem Gesang der "Wacht am Rhein" die Figur auf den Sockel und schmiedeten sie mit Eisenbändern an. Danach gingen sie, um die tschechische Schule auszuplündern. Am 16. November wurde als Vergeltung für diesen Vorfall in Eger das deutsche Theater in Prag besetzt und beschlagnahmt. Das Denkmal wurde auf Grund des Gesetzes zum Schutze der Republik im Mai 1923 entfernt und im Klostergarten der Franziskaner aufgestellt. Der Streit um den verbliebenen Sockel zog sich bis in das Jahr 1925 hinein. Er wurde erst nach dem Beschluss des Obersten Verwaltungsgerichtes im Jahre 1925 entfernt. Im Jahre 2003 wurde die Statue vom Rotary Club in Eger restauriert und in Franzensbad als Ergänzung der erneuerten Habsburger Denkmäler enthüllt.

(bh)

 

Weitere Textinformationen

 
 

EJ 1924

Das Egerer Josef-Denkmal

 Seit 1887 stand am oberen Marktplatze zu Eger das Denkmal für Kaiser Josef II., errichtet von Stadt und Land Eger, am ganzen Marktplatze und schon von der Kreuzung der Bahnhof- und Schanzstraße aus sichtbar. Die Zeit nach dem Umsturze 1918 ist derartigen Denkmälern nicht günstig. Zahlreiche solcher Denkmale wurden gestürzt. Auch das Egerer Denkmal erfuhr das gleiche Schicksal in der Nacht zum 14. November 1920. Die vom Sockel herabgestürzte Figur wurde von der Bevölkerung noch in der Nacht wieder aufgestellt, so daß sie bereits in den ersten Morgenstunden wieder auf seinem alten Platze stand. Nur der rechte Arm, der abgeschraubt und mitgenommen worden war, fehlte und blieb verschwunden, so dass das Denkmal seither einarmig auf seinem Platze stand.

Die tschechoslowakische Regierung schuf dann im Jahre 1923 mit Hilfe ihrer Mehrheit im Parlamente ein Gesetz zum Schutze der Republik, dessen Bestimmungen die Handhabe bieten, die Beseitigung der Erinnerungen an die Habsburger zu verfügen. Auf Grund dieses Gesetzes ging auch dem Stadtrate Eger, wie anderen deutschen Städten, der amtliche Auftrag zu, das Josef-Denkmal am Marktplatze binnen 14 Tagen zu entfernen. Nach dem amtlichen Schriftstücke stand gegen diesen Auftrag zwar das Rechtsmittel der Beschwerde, jedoch ohne aufschiebende Wirkung, zu. In der Sitzung des Stadtrates vom 4. Mai 1923 wurde einstimmig beschlossen, die Entfernung der Büste sofort durchzuführen und es nicht erst auf eine zwangsweise Entfernung ankommen zu lassen. Die Entfernung der Büste wurde noch für die der Sitzung folgende Nacht angesetzt. Bei der Fassung dieses Beschlusses leiteten den Stadtrat die Erwägungen, dass eine Entfernung des Denkmals bei Tag die Ansammlung einer bedeutenden Menschenmenge, die sich zu unbedachten Äußerungen oder Handlungen hinreißen lassen könnte, zur Folge haben würde und dass dabei wahrscheinlich die Bevölkerung wieder Opfer an Freiheit oder auch Leben bringen müsste.

Der Zeitpunkt der Abtragung wurde deswegen auch geheimgehalten und so hatten sich bei der Entfernung des Denkmals nur einige hundert Personen eingefunden, von denen der größte Teil erst auf das Glockengeläute von der evangelischen Kirche hin auf den Marktplatz kam. Die Arbeiten begannen halb 2 Uhr nachts und waren um 3 beendet. Es wurden erst die starken Eisenbänder, mit denen die Statue seit dem Denkmalsturze am Sockel  befestigt war, abgesägt. Die Statue wurde sodann auf einem mit Tannengrün geschmückten Wagen gehoben und an ihren Aufbewahrungsort überführt. Bei der Entfernung und am neuen Unterbringungsorte wurden auch Ansprachen gehalten.

Der größte Teil der Bewohner der Stadt hatte auch früh noch keine Kunde von der Entfernung des Denkmals. Die Nachricht, dass der „Josef auf dem Markt" von seinem Standorte verschwunden sei, verbreitete sich mit Windeseile in der Stadt, und so fanden sich schon in den frühen Morgenstunden zahlreiche Personen vor dem leeren Sockel des Denkmals ein, die dort von anderen den ganzen Hergang erfuhren.

So geheimnisvoll und in aller Stille die Beseitigung des Denkmals betrieben wurde, so feierlich war die seinerzeitige Enthüllungsfeier am 2. Oktober 1887, an der sich nicht nur die Bevölkerung der Stadt, des engeren und weiteren Egerlandes, sondern auch jenseits der Grenze beteiligte. Am Vortage, den 1. Oktober 1887, fand abends eine Illumination und ein von allen Egerer Vereinen ausgeführter Fackelzug statt. Der Enthüllungstag, der 2. Oktober 1887, wurde mit einem musikalischen Weckrufe eröffnet. Um halb 11 Uhr vormittags sammelten sich beim Schützenhause die Teilnehmer zu dem gewaltigen Festzuge, der sich dann zum oberen Marktplatze (Roßmarkt genannt) bewegte. Den imposanten Festzug bildeten: die Feuerwehren von: Eger (mit Musik), Miltigau, Altwasser, Haslau, Voitersreuth, Neudorf, Liebenstein, Kleinschüttüber, Auschowitz, Maiersgrün, Königswart, Pograth, Altenteich, Pochlowitz, Mostau, Berg, Franzensbad, Habakladrau, Treunitz, Dürnbach, Frauenreuth und Königsberg, die Veteranenvereine von Franzensbad, Mariakulm, Dreihacken, Königsberg und Schönbach, das Rettungskorps Eger mit Musik, die Turnvereine von: Eger, Arzberg, Waldsassen, Marienbad, Plan, Haslau und Königsberg, die Schützenkorps von Eger und Königsberg, die Egerer Scheibenschützen, die Bolzschützenvereine von Eger und Königswart, die Liedertafel von Schönau, der Egerer Krankenunterstützungsverein, der deutsche Bauernverein Auschowitz, die Schulvereinsortsgruppen Auschowitz und Königsberg, die Gesangvereine von Liebenstein, Marienbad, Frauenreuth, Schönfeld, Königsberg, Mariakulm, Miltigau, Haslau und Eger (drei Vereine), die beiden Veteranenvereine von Eger, die Festjungfrauen, der Denkmalausschuß und der Bürgermeister mit dem Stadtrate.

Um 11 Uhr begann die Enthüllungsfeier mit einem von den Egerer Sängern vorgetragenen Weiheliede. Hierauf hielt der Obmann des Denkmalausschusses, Dr. Friedrich Major, eine Ansprache über das Werden des Denkmals und der Reichsratsabgeordnete E. v. Plener die eigentliche Festrede. Beim Schlusse der Rede des Obmannes des Denkmalausschusses war die Hülle vom Denkmale gefallen. Nach der Rede Pleners wurden Hunderte von Sträußchen und Kränzen; fast alle mit prachtvollen Schleifen mit Widmungen am Denkmale niedergelegt, das dann Dr. Major in die Obhut der Gemeinde übergab und das Bürgermeister Dr. Stanka in den Schutz der Stadt übernahm, den sie auch all die Jahre treu hielt. Nach dem „Deutschen Lied“ der Sänger zog der Festzug durch die Bahnhof- und Ringstraße über den Theaterplatz, Gschierstraße, Lange- und Judengasse zum Stadthause, wo vor dem Stadtrate, Denkmalkomitee, Abgeordneten und Gemeindedeputationen eine Defilierung stattfand. Ein Kommers im Schützenhause, bei dem verschiedene Ansprachen gehalten und die zahllos eingelangten Telegramme verlesen wurden, beschloss die Enthüllungsfeier.

Das Modell des Standbildes stammte von dem Bildhauer Karl Wilfert in Eger, der auch die Steinarbeiten ausführte. Der Bronzeguss des Standbildes wurde in der kaiserlichen Erzgießerei zu Wien hergestellt. Die Eisenketten um das Monument spendete der Maschinenfabrikant Matthes Fischer in Eger. Das Denkmal kostete 6700 Gulden, die durch freiwillige Spenden aufgebracht worden waren.

Nun steht am Marktplatze nur noch der Sockel des Denkmals, aus dem die Inschrift ausgemeißelt wurde. Den Abschluss bildet ein Korb mit Blumen. Das äußerliche Denkmal, das von der Bevölkerung dem Befreier der Völker aus tiefer Knechtschaft errichtet wurde, ist beseitigt und damit war einem behördlichen Auftrag Genüge geschehen.

Anfangs November 1923 kam dem Stadtrat Eger der Auftrag zu, auch den Sockel des Denkmals zu entfernen, gegen welchen Auftrag der Rekurs überreicht wurde, der noch seiner Erledigung harrt.

(EJ 1924,43-6)

 
 

Sturm 1952

Das Kaiser-Josef-Denkmal auf dem Marktplatz

In einer Zeit, da das alte Egerer Reichszugehörigkeitsbewußtsein weitgehend durch einen österreichischen Staatspatriotismus überlagert war, wurde wie in anderen Städten der habsburgischen Monarchie auch in Eger ein Denkmal für Kaiser Josef II. enthüllt. Der Entwurf stammte von dem Egerer Bildhauer Karl Wilfert; der Bronzeguß wurde in Wien hergestellt. Die Kosten des Denkmals sind durch freiwillige Spenden der Bevölkerung aus Stadt und Land Eger aufgebracht worden. In einer großzügig vorbereiteten Enthüllungsfeier, der tags zuvor ein Fackelzug aller Egerer Vereine bei großer Stadtbeleuchtung voranging, wurde das Denkmal am 2. Oktober 1887 der Offentlichkeit übergeben. Unter den zahlreichen Vereinen aus der engeren und weiteren Umgebung von Eger, die der Enthüllungsfeierlichkeit den Rahmen gaben, waren auch bayerische Abordnungen vertreten, z. B. von den Turnvereinen in Arzberg und Waldsassen. Die Festansprachen hielten der Obmann des Denkmalausschusses Dr. Friedrich Major und der Reichsratsabgeordnete Ernst v. Plener. Mit der Errichtung des Standbildes verband sich das Gedenken an die von Kaiser Josef II. in seinen Erblanden durchgeführte Befreiung des Bauernstandes von der – im Egerer Lande infolge seiner geschichtlichen Struktur zwar nicht in dem Ausmaße wie anderwärts eingewuzrelten – Leibeigenschaft. Niemand konnte damals vorausahnen, daß dieses Egerer Kaiser-Josef-Denkmal schon nach wenigen Jahrzehnten zum Symbol der Auflehnung gegen eine andere Unterdrückung der persönlichen Freiheit, die Überfremdung Egers durch die Tschechen, werden sollte.

Nach dem Zusammenbruch der Donaumonarchie Österreich-Ungarn im Jahre 1918 wurden in Deutschböhmen fast alle Denkmäler der gestürzten Dynastie, vor allem die Kaiser-Josef-Denkmäler entfernt. Das gleiche Geschick widerfuhr auch dem Egerer Standbild in der Nacht zum 14. November 1920. Die Figur wurde gewaltsam vom Sockel heruntergerissen, der rechte Arm, der eine Rolle hielt, abgeschlagen und als Trophäe der nächtlichen Tat mitgenommen. Aber noch in der gleichen Nacht stellten die Egerer die nun einarmige Figur wieder auf den Sockel und schmiedeten sie mit breiten Eisenbändern an den Sockel an.

In dieser etwas eigenartigen Aufmachung stand seitdem noch einige Jahre Josef II. auf dem Egerer Marktplatz, im Bewußtsein der Egerer nicht mehr als Monarch aus dem Hause Habsburg, sondern irgendwie das gesamte Deutschtum in seiner Bedrängnis und völkischen Not verkörpernd.

Die tschechoslowakische Regierung schuf dann im Jahre 1923 mit Hilfe ihrer Mehrheit im Parlament da Gesetz zum Schutze der Republik, dessen Bestimmungen die gesetzliche Handhabe zur Beseitigung der Erinnerungen an die Habsburgen boten. Unter Berufung auf dieses Gesetz erging wie an andere deutsche Städte in der Tschechoslowakischen Republik auch an die Stadtgemeinde Eger der amtliche Auftrag zur Beseitigung des Denkmales, und zwar innerhalb von vierzehn Tagen. Wohl stand gegen diesen Auftrag das Rechtsmittel der Beschwerde zu, jedoch ohne aufschiebende Wirkung. Und so faßte der Stadtrat in seiner Sitzung vom 4. Mai 1923 den Beschluß, das Standbild sofort abtragen zu lassen, um einer zwangsweisen Entfernung und möglichen damit verbundenen Übergriffen gegen die Bevölkerung vorzugreifen. Als Zeitpunkt wählte man wiederum die Nachtstunden, um einer Ansammlung der Bevölkerung und allfälligen Weiterungen daraus zu entgehen. Als die Arbeiter kurz nach Mitternacht damit begannen, die starken Eisenbänder zu lösen ertönte von der evangelischen Kirche her Glockengeläute, Leute kamen auf den Marktplatz und Fackelträger bildeten eine Gasse, durch die dann die auf einem mit Tannengrün geschmückten Wagen verladene Bronzefigur abtransportiert wurde. Noch einige Zeit stand auf dem Marktplatz der blanke Denkmalsockel, verziert mit einem Korb voll Blumen. Aber Ende des Jahres 1923 mußte auch dieser letzte Rest des einstigen Kaiser-Josef-Denkmales abgetragen werden.

(Sturm 1952, 398)

 
 

Katalog 1994

Josef II.

Denkmal von Karl Wilfert (1887) Das von dem Egerer Bildhauer K. Wilfert entworfene und in Wien in Bronze gegossene Standbild des absolutistischen Monarchen Joseph II. wurde - als Ausdruck des österreichischen Patriotismus, der in seiner Grundhaltung dem traditionellen egerischen Reichszugehörigkeitsgefühl zuwiderlaufen mußte - durch freiwillige Spenden der Egerer Bevölkerung finanziert. Wenige Jahrzehnte später allerdings wurde das Denkmal des von den Slawen als "Germanisator" angefeindeten Kaisers zum Fanal für das Bekenntnis der Egerer zum Deutschtum in einem neuen Nationalitätenstaat mit neuem Staatsvolk, den Tschechen. Im November 1920 wurde das Standbild durch diese vom Sockel gestürzt, dabei der rechte Arm abgebrochen und dieser - als Trophäe - mitgenommen. Doch flugs stellten Egerer das Standbild (ohne rechten Arm) wieder an seinen alten Platz und schmiedeten es mit dicken Bandeisen an. Erst Jahre später - die gesetzliche Grundlage bildete nun das Republikschutzgesetz von 1923 - wurde Joseph II. dann endgültig von seinem Standplatz entfernt und im Hof des Stadtarchivs wieder aufgestellt.

(Katalog 1994,139)

 

Das Denkmal Joseph II. wurde nach Franzensbad (Františkovy Lázně) versetzt.

 

Kontakte/Ansprechpersonen

Adresse: náměstí krále Jiřího

 

Bilder

Kaiser Josef Denkmal. J. Haberzettl 1900

Kaiser Josef Denkmal. J. Haberzettl 1900

SOkA Cheb, F 770, sign. 2-2

Die angeschmiedete Figur im Jahre 1920

Die angeschmiedete Figur im Jahre 1920

SOkA Cheb, F 763, sign. 18-1

Die angeschmiedete Figur im Jahre 1920

Die angeschmiedete Figur im Jahre 1920

SOkA Cheb, F 557, sign. 658

 
Das Kaiserdenkmal im Archivgarten. 1995

Das Kaiserdenkmal im Archivgarten. 1995

Enthüllung des  Kaiserdenkmales in Franzensbad. 2003

Enthüllung des Kaiserdenkmales in Franzensbad. 2003

 
 
Interaktive Enzyklopädie der Stadt Cheb

Interaktive Enzyklopädie der Stadt Cheb
Liste der 200 namhaftesten Sehenswürdigkeiten in Cheb (Eger).