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Das Rathaus

Anzahl der Ansichten: 12945

Kategorie: Häuser auf dem Marktplatz

Adresse: náměstí Krále Jiřího z Poděbrad 1/14

 
 
 

Das Rathaus.

Das alte gotische Rathaus war, obwohl es Mitte des 14. Jahrhunderts durch das südlich ansichließende Bürgerhaus erweitert worden war, zu eng und zu wenig repräsentativ für die angewachsene Stadtverwaltung geworden. 1721 - 1722 Neubau und Entwürfe durch den am Festungsbau tätigen Prager Baumeister Giovanni Battista Alliprandi aus Verona. 1723 - 1728 Bauausführung des ersten rechten Flügels auf dem Areal des 1697 südlich der zwei alten Rathäuser angekauften Zedwitzhauses durch die Egerer Festungsbaumeister Angelus Pfeffer und Joh. Christoph Faber. Wegen Geldmangels unterbleibt die Fertigstellung des gesamten Bauprojektes, werden die Alten Rathäuser weiter mitbenützt. 1805 Abbruch des gotischen Vorbaus. 1850 Übersiedelung der Stadtverwaltung in das heutige Stadthaus.

(Katalog.1994)

 

 

Weitere Textinformationen

 
 

CN1/Prökl 1877

Das Rathhaus.

Das erste Rathhaus oder Schöffen- und Geschlechterhaus in Eger stand, wie alle alten Chroniken und Urkunden erzählen, auf dem Johannisplatze. Das neben der uralten Johanniskirche bestandene Wagnerhaus wird als dieß ursprüngliche Stadthaus bezeichnet und erregte noch 1542 als Privathaus des Historikers Brusch Bewunderung. Um welche Zeit dieses aufgelassen und auf dem großen Ring ein neues Rathhaus errichtet wurde, läßt sich nicht ermitteln; sicher war letzteres schon im Jahre 1149 erbaut, weil in dem Fürstenzimmer dieses Rathhauses Friedrich Barbarossa mit Adelheid von Vohburg sein Beilager gehalten hat. Der erste Bau desselben oder das sogennante alte Rathhaus auf diesem großen Ringe ging beim großen Stadtbrande 1270 mit allen Archivalien verloren. Den Neubau, wovon heute noch 2 Häuser erhalten sind, zierte ein viereckiger, im gotischen Baustyl aufgeführter hoher Thurm mit einer kunstreichen Uhr, auf welchem seit 1412 das von der Forster´schen Burg Neuhaus eroberte strahlende Sonnenantlitz prangte, und an dem seit Kaiser Sigmung´s Zeit, der nicht ohne Unterstützung der Reichstadt Eger und seines Reichskanzlers, des Egerer Kaspar Schlick, 1435 Böhmens Thron erlangt hätte, und 1437 in Eger einen Reichstag abhielt, auch das böhmische, ungarische neben dem Egerer Stadtwappen; ferner ein Gemälde eines Löwen und eines Schalksnarren angebracht war (als Andenken, weil jener Schalksnarr und der Löwe, den Kaiser Friedrich Barbarossa mit sich zu führen pflegte, ihren Tod in Eger fanden). Auf diesem Thurm hing eine Glocke, bei deren Ertönung alle Bürger auf dem Rathhause erscheinen mußten. Auch wurde sie geläutet vor jeder Rathsernuerung früh von acht bis halb neun Uhr, dann zur Zeit, wann man verurtheilte Missethäter zur Richtstätte führte. Innerhalb des Thurmes bestand im ersten Stockwerke die Gerichtsstube und nächst dieser die Rathhkapelle der heil. Dreifaltigkeit mit einer großen, mit hohen gotischen Fenstern erleuchteten Vorhalle. In dieser Kapelle hat man bei jeder Rathserneuerung und vor dem Beginn einer jeden Rathssitzung Messe gelesen. Auch Hieronymus Ziechr hat eine Messe hieher gestiftet. Der Stiftsbrief ist datirt: Montag nach Christi Himmelfahrt 1448. Eine zweite Messe hat Heinrich Schönstetter im Jahre 1454 durch Widmung einer Summe Geldes gegründet, und es haben für diese Messe die Stadtrenten an den Altaristen jährlich 10 Schock Groschen bezahlt. Während des Lutherthums in Eger blieb die Kapelle gesperrt; vom 14. Mai 1650 anfangend persolvirten die Franziskaner bis 1805 die Messe im Rathhause, dann aber bis 1831 in ihrem Kloster, wofür die Stadtrenten jährlich 15 fl. an den Konvent bezahlten. Im Jahre 1831 hat sich diese Stiftung aufgelöst. Der Rathhausthurm erhielt 1519 und wieder 1572 einen Neubau; 1572 schlug der Blitz in denselben, warf die Thürmerswohnung sammt dem Thürmer, Weib und Kind herab auf den Ring, ohne daß jemand beschädigt wurde !? (Baier´s Manuale). Die Erneuerung des Thurmes erfolgte durch den Rathsherrn Erbert Junkcher von Oberkunreut. Dieser ward 1805 demolirt, die Kapelle aufgelassen und 1837 die seit 1630 mitten auf dem Ring gestandene Militärhauptwache in das alte Rathhaus eingebaut, ferner 1841 ein Theil des alten rückwärtigen Rathhauses, Fleischhackerhaus genannt, abgetragen. In dem östlichen Theile des ursprünglichen Rathhauses waren die Gaststuben, die ebenerdigen Gemächer zum Waag- und Versatzamt, zur Münzpräge, endlich der erste Stock zur Steuerkanzlei (Bernstube) eingerichtet; auch bestand daselbst eine Folterkammer, bis heute noch erhalten, insgemein Marterkammer genannt, und eine Bier- und Methschank. - Im 14. Jahrhundert hat der Senat ein Bürgerhaus neben dem alten Rathhause gekauft und zu Kanzleien eingerichtet, das man gegenwärtig das alte Rathhaus nennt. - 1697 erkaufte der Senat abermals 2 Häuser vom Herrn v. Zedtwitz und von dem Bürger Chemnitzer und ließ an deren Stelle 1711 - 28 das nach edlem und großartigem Plane architektonisch angelegte gegenwärtige Rathhaus mit einem Kostenauwande von 80.000 fl. durch den Baumeister Angelus Pfeffer aufführen und mit dem mittleren Rathhaus in Verbindung setzen 1). Es sollte das neue Rathhausgebäude, das nur ein Drittheil zu Stande kam, auch den Raum mit dem mittleren und alten Rathhauses einnehmen, 3 Haupteinfahrten und 2 Thürme erhalten; allein da zur Ausführung dieses großartigen Baues die Kassamitteln nicht hinreichten, so unterblieb der vollkommene Ausbau, wie solcher in der hier beiliegenden Zeichnung ersichtlich ist. In diesem neuen Rathhaustheile sind die Stockwerke ausnehmend hoch und meistens gewölbt; auf den Kanzellenpostamenten der Hauptstiege steht als Wahrzeichen der Reichsstadt (ebenso wie auf dem Markte als Brunnenfigur) der alte, räthselhafte deutsche Heldenkönig Allemann mit geschwungener Keule als ein riesiger Mann mit dem Stadtwappen und die kolossale Statue St. Josephi. An der Oberdecke des Stiegenhauses und in der verzierten eisernen, sehr kunstvollen Oberlichtvergatterung des Haupteinfahrtthores sind Wappen des österreichischen Kaiserhauses und jene der damaligen vier Bürgermeister Joh. Adam Junckher von Oberkunreut, Georg Adam von Bruschen, Johann Joseph Werndl v. Lehenstein und Johann Christoph Ernst Edlen von Bruschen welche den Bau veranlaßt und durchgeführt, angebracht. Bis zur Erbauung des Geschirrhauses (Zeughauses) war das Zeughaus in einem Theile des alten Rathhauses unterbracht. Aus der ehemaligen Fürstenwohnung hat der Magistrat im Jahre 1787 Speisezimmer und aus der Bernstube (Steuerstube) einen Saal (Redoutensaal) vorrichten lassen, deshalb dieser Saal noch immer der Bernsaal gennant wird. Aus der Münzstätte hat man im Jahre 1698 zwei Arreste, aus diesem 1835 einen Stall, aus der Folterkammer ein Baurequisiten-Depositorium errichtet, ohne jedoch an den Hauptbestandtheilen etwas zu verletzen. Merkwürdigkeiten bewahrte das Rathhaus: das Schwert Waldstein`s, dessen wohlgelungenes Porträt, die Partisane, womit er im Jahre 1634 ermordert wurde, zwei Gemälde, die Ermordung Waldstein`s und seiner Gefährten vorstellend, ferner eine Ansicht der Stadt Eger vom Jahre 1742, die Porträte der österreichischen Regenten von Kaiser Karl VI. bis auf die gegenwärtige Zeit, eine aus 2000 Bänden und mehreren Incunabeln bestehende Bibliothek, vier Fahnen, die den Schweden im Jahre 1647 abgenommen wurden, eine steinerne Flasche, welche entehrte Weibspersonen aus Strafe rings um den Ring und durch die Gässen der Stadt tragen mußten, endlich zwei Maße von Eisen, nämlich eine halbe und eine viertel Elle. Alle diese Gegenstände sind jetzt im Museum im Stadthause aufbewahrt. Den großen, mit reich vergoldeten Brustbildern römischer Kaiser und Könige gezierten Ofen im Fürstenzimmer, sammt vielen werthvollen antiken Zimmereinrichtungsstücken aus dem Hause Habsburg hat der Magistrat im Jahre 1827 in das kaiserliche Luftschloß Laxenburg abgegeben, und dafür eine schwere goldene Medaille mit goldener Kette von Sr. Majestät Kaiser Franz I. zum Geschenke erhalten, welche der Bürgermeister bei großen Feierlichkeiten und Prozessionen trägt. Diesen kunstreichen, mit hohem, zierlichem Eisengitter umschlossenen Ofen verfertigte der Egerer Hafnermeister Jonas Merz im Jahre 1575. Den großen, prachtvollen Kästen mit Löwenfüßen, den der Magistrat als Geschenk für den Kaiser Karl VI. durch den berühmten Egerer Tischlermeister Haberlitz anfertigen ließ, kam 1827 gleichfalls mit nach Laxenburg. Bei der Widmung der Rathhausgebäude zur Unterbringung der Kanzleien für die Politischen und Judizialbehörde im Jahre 1850 hat der Bürgerausschuß einen ganzen Umbau des älteren und mittleren Rathhauses vornehmen lassen, wodurch das innere eine ganz anderegestalt erhielt. Mit der Anlegung größerer Kanzleien in die zwei älteren Gebäude verschwanden die letzten Reste der Rathhauskapelle. Dort Befand sich noch ein Fenster mit Eisengitter, von wo die Verbrecher dem Gottesdienst beiwohnen konnten, an starke eiserne Ringe, die im Fußboden des großen Kapellenvorplatzes eingemauert, waren die Sträflinge während des Gottesdienstes angeschlossen. Große altgotische Fenster, die noch jetzt erhalten sind, beleuchten den Vorplatz der Kapelle, zu welchem eine breite hölzerne Treppe führte. Das Fürstenzimmer ist jetzt zu Kanzleien umgestaltet und im Hofgebäude an der Stelle des Redoutensaales der Schwurgerichtssaal eingerichtet, mit Treppen und eigenen Zugängen versehen. Die alte Münzstätte erhielt abermals eine Umgestaltung zu einer Holzlage, die Marterkammer aber blieb als Requisiten-Depositorium. Die Stadtwage und die Feuerlöschrequisiten sind an ihrer früheren Stelle geblieben. Im rückwärtigen Theile des neuen Rathhauses ist das neu geordnete Archiv in 4 Gewölben untergebracht. Die in das Rathhaus 1837 eingebaute Hauptwache ist seit Aufhebung des Stadtkommandos kassirt und zu Kaufläden eingerichtet. Das Methridatzimmer im 2. Stocke des alten Rathhauses verschwand mit dem Umbaue im Jahre 1852. Bei der Übergabe der 3 Rathhausgebäude an die k.k. Behörden hat sich die Stadtgemeinde die Nützung der Kellerräume, der Requisitengewölbe und eine Hausmeisterwohnung vorbehalten. Sämmtliche Gemeindekanzleien hat man in das Stadthaus (Gemeindehaus, Pachhelblisches, Waldstein´s Todeshaus) verlegt. 

1)Pfeffer starb 1732. Eine hohe Pyramide am Friedhofe gleich bei dem Eingangsthor rechts deckt seine Grabstelle.

(Prökl 1877/482 - 486)

 
 

CN1/Siegl 1929

Zum zweihundertjährigen Bestand des "Neuen" Egerer Rathauses. Im Jahre 1928 waren es zweihundert Jahre, da das sogennante obere oder Neue Rathaus vollendet und von städtischen Behörden bezogen worden ist. Das älteste Rathaus stand ehedem, wie ich das schon in mehreren meiner Schriften behandelt habe, am Johannisplatz, und zwar an der Nordfront, da wo sich heute das mit Nr. 16 bezeichnete Haus erhebt. Auch das östlich anstoßende, sogennante alte Wagneraus, heute Flut 10, soll zum Rathause gehört haben. Das Eckhaus, schräg gegenüber, heute "Flut 9, Johannisplatz 1", war der erste Pfarrhof. Dieser Johannisplatz mit den hier einmündenden Gassen: östlich bis zur heutigen Steingasse, ehedem "an den steinen" geheißen, die sich wieder in "stein der ober" (obere Steingasse bis zur Kirchenstiege) und "stein der unter" (untere Steingasse, von der Kirchenstiege abwärts) geschieden, ferner südlich bis in die Gegend der heutigen Brudergasse, westlich bis zur Burg un nördlich bis zur Eger, diese Häusergruppe also war erste Anlage des schon 1061 urkundlich erwähnten Ortes Egire. Mitten am Platze, von einem Friedhof und einer hohen Mauer umgeben, stand die alte Johanniskirche, deren Gründung spätestens in das 10. Jahrhundert zu versetzen ist. Aus einem Inschriftenstein, der sich über dem Toreingange befand, will der Chronist Karl Huß, der diesen, inzwischen schon verschwundenen Stein noch gesehen hat, daß diese Kirche im Jahre 731 erbaut und 740 mit einem Priester versehen worden ist. Bei dem Brande 1809, dem der ganze Johannisplatz, die Mühlgasse, die Kruezherrengasse, die Schiffgasse, die untere Schulgasse und die St. Niklaskirche zum Opfer fielen, ging auch die Johanniskirche mit in Flammen auf. Einige Jahre später wurde die Brandruine abgetragen und der Platz eingeebnet. Eine Mauer, die sich von der Eger die Steingasse aufwärts und dann weiter in der Gegend der heutigen Brudergasse bis zur Burg hinzog und sich wieder zur Eger herabsenkte, umgab diese älteste Ansiedlung. Im 12. und 13. Jahrh. dehnte sich aber die Stadt auch weiter gegen Osten, Süden und Südwesten aus und es erfolgte in der Zeit von c.1150-1250 die Anlage des heutigen Marktplatzes. Um 1150 wurde die St. Niklaskirche gegründet - eine beim Brand der Türme dieser Kirche mit zerschmolzene Glocke trug in römischen Ziffern die Jahreszahl 1150, im Jahre 1256 wird urkundlich das Kloster der Minoriten (heute Franziskaner), 1268 auch das Kloster der Klarissinen schon erwähnt und in Jahr 1294 fällt die Gründung von Kloster und Kirche der Prediger (Dominikaner). Die Gründungsurkunden dieses letztgennanten Klosters, und zwar die Briefe vom böhm. König Wenzel II. vom 24. Mai 1294 und vom röm. König Adolf von Nassau vom 29. Juli 1294 haben sich erhalten. Diese Ausdehnung der Stadt machte auch die Verlegung des alten Rathauses vom Johannisplatz auf den heutigen Marktplatz notwendig. Wann diese Verlegung stattfand, lässt sich nicht sicherstellen. Mitten in der Westfront wurden nun hier in dem heute mit Nr. 14 bezeichneten Hause (Nr. Conscr. 1a, "Unteres Rathaus") die städtischen Ämter wieder eingerichtet. Vom Marktplatze und vom Rathause selbst berichtet der bekannte Humanist Kaspar Brusch 2) in seiner "Beschreibung des Fichtelgebirges 1542" : "Der neue Markt / daran das neue Rathau / stehet ist so herrlich / so weit und raumich / dab ich seines gleichen kaum einen achte zu sehn in Böheimb: das Rathau / so am Ring stehet / ist aufs schönste gebauet / wie es einer solchen Stadt gebühret und wohl anstehet. Es hat sechs herrliche Saal oder Stuben / nach mancherley Handlungen und Sachen ausgetheilet. Item sechs andere Stuben für der Stadt Diener (=Beamte). Es hat auch eine schöne Capelle / zu der hl. Dreyfaltigkeit Ehr erbauet. Einen gantzen und groben Rath gemeldter Stadt machen / nach der alten Römer Gewohnheit / hundert Personen / unter denen seynd neunzehen von den ältesten Geschlechtern der Burgerschafft und sonst dreyzehen / die seynd Richter / und werden Schöpffen genannt. Aus den neunzehen des Raths pflegen viere Burgermeister zu seyn / die wechseln alle Quartal um / und werden jährlich vier Chur-Herren / zween vom Rath / und zween von der geschworenen Gemein gewehlet. Die setzen Rath, Gericht und die geschworenen Gemein / derer an der Zahl von der geschworenen Gemein seyen achtundsechzig Personen. Diese aber obengemeldte Raths- und Gerichtspersonen sprechen selbst Recht / und fällen Urtheil / nicht aus den Kayserlichen Gesetzen / oder constitucionibus / sondern nach ihren alten lang hergebrachten löblichen Freyheiten / und erbarn Gebräuchen. Von ihnen kann man nicht appelliren / da sie auch davor gefreyet seynd. Vor dem Böhmischen König aber zu Prag / und nur seiner eigenen Person / sonst vor niemand / stehen sie kecklich jedermann".3) Das oben beschriebene Rathaus hatte einen in den Marktplatz hineinragenden, zwei Stock hohen Vorbau mit getrepptem Erker und hohem Turm, dessen Spitze mit der bei Erstürmung der Feste Neuhaus (1412) erbeuteten goldenen Sonne 4) gekrönnt war. Der Erker barg ein kunstvolles Uhrwerk, den "orloyner" oder "fayger" mit dem "löwengeschrey". 5) (Siehe Abbildung 1.) Nach hinten hinaus befand sich die Ratskapelle, in der 1805 der letzte Gottesdienst abehalten wurde. In diesem Jahre wurde auch der Vorbau mit dem Turm abgetragen. Die gotischen Fenster der Kapelle sind heute noch im Hofraum zu sehen. An den Vordertrakt schlossen sich rückwärts die sogennnanten Fürstenzimmer an, in welchen angeblich Friedrich Barbarossa 1149 seine Hochzeit mit Adelheid von Vohburg gefeiert haben soll. Anstobend daran erhebt sich der rückwärtige Trakt. Im Erdgeschob desselben lagen die Marter- oder Folterkammer und die Münze. Eger war die einzige münzberechtigte Stadt in Böhmen. Über diesen Räumen, im ersten Stock, befand sich der Bernsaal, fälschlich Bärnsaal genannt. Es war die Stube, in welcher der Bern (berna), d.i. die königliche Steuer, ferner die Steuer der städtischen Einwohner, die "Losung" und die Klohsteuer 6), d.i. die Steuer der Landbevölkerung abgeführt wurde. Vom Jahre 1787-1850 diente dieser Saal als Theater- und Redoutensaal und vom Jahre 1850-1905 als gerichtlicher Verhandlungs- (Schwurgerichts-)saal. In den Jahren nach dem Weltkrieg benützte ihn der Egerer Sängerbund als sein Vereinsheim und im Jahre 1923 wurde dieser Saal, ein Teil des Erdgeschosses und die erwähnten Fürstenzimmer für Zwecke der Staatspolizei adaptiert. Ein Raum des Erdgeschosses wird auch als Depot füf Feuerlöschrequisiten benützt. Schon um die Mitte des 14. Jahrh. erwies sich das heutie Untere Rathaus als unzulänglich, und der Rat erkaufte in dieser Zeit ein südlich anstobendes Bürgerhaus, heute Mittleres Rathaus genannt, bezeichnet mit Nr. 15 und Nr. Conscr. 1b. In diesem Hause waren die alten Ratsstuben, deren Wände mit den Wappen Alt-Egerer Geschlechter bedeckt waren, und die Trinkstube eingerichtet. Wiederholt wurde darin in den folgenden Jahrhunderten umgebaut. Im 19. Jahrh., und zwar von 153-1885 befand sich hier im ersten Stockwerke die Egerer Sparkasse. Gegenwärtig benützt das erste Stockwerk im Mittleren und Unteren Rathaus die Zivilabteilung des Kreisgerichtes und das zweite Stockwerk in beiden Häusern die politischen Bezirksverwaltung. Vor dem Unteren und Mittleten Rathause befand sich vom Jahre 1839-1850 ein hölzerner Vorbau, in welchem die Militär-Hauptwache untergebracht war. Diesen Vorbau sehen wir auch auf der Abbildung der Schützenfahnenweihe vom Jahre 1845 im Museum. Hinter diesem Vorbau lagen zwei Kellergewölbe. In dem unteren (heute ein Friseurgesachäft und die Papierhandlung Becker) bot eine Höcklerin, deren Wohnung eine Stiege tiefer lag, ihre waren feil. In dem oberen (heute die Läden Krill und Wollrab) befand sich die Spenglerwerkstätte des alten Mühlhaus, zu der man auch über eine Stiege gelangte. Im Jahre 1886 verschwanden diese Kellergewölbe und es wurden die jetzigen Läden eingerichtet. Eine Ansicht dieser beiden Rathuser (mit dem oberen Rathaus) gibt uns die Abbildung 2. Diese ist aber nicht ganz richtig: die erwähnten Kellergewöbe sind nicht eingezeichnet. Auf der Abbildung 1 sind die Eingänge noch zu sehen. Im Jahre 1723 kam nun das dritte, das heutige, "Obere" oder "Neue" Rathaus, bezeichnet mit Nr. 16, Nr. Conscr. 1c, hinzu. Schon zu Ausgang des 17. Jahrhunderts hatte sich der städtische Amtsbetrieb bedeutend vergröbert, wozu nicht wenig auch der Ankauf des Deutschordenshauses 7) mit seinem ausgedehnten Wald- und Güterbesitz im Jahre 1693 beigetragen haben mag. 8) Die Bewirtschaftung der Güter erforderte auch mehr Beamte. Im Jahre 1697 kaufte denn auch der Rat zum Zwecke der Vergröberung des Rathauses das an das Mittlere Rathaus anstobende Haus des Christof Adam von Zedwitz auf Liebenstein. Das Ausgabsbuch 1696/97 enthält auf Fol. 9a die Eintragung: "den 23. April (1697) Hrn. Christof Adam von Zedwitz für sein verkauftes, aigenthümblich zwischen dem Rathaus und hoch gräflichen Metternichischen Haus (heute "Schillerhaus") situierte halbes bürgerliches wohnhaus laut kauffbrieffs durch Johann Rustler, als seinem Verwalter zu Liebenstein, mit abrechnung der 800 fl. vorgeliehenen Kapitals und baaren 600 fl. zus. 1400 fl., dann bis Walburgi 1697 schuldigen Zinsen von 100 fl. und dem Hrn. Johann Rustler bey der übergab verehrt 3 fl." Der Chronist Vinzenz Prökl führt in seiner handschriftlichen Chronik auch an, da der Rat auch noch ein zweites Haus, das eines gewissen Chemnitzer, zur Vergröberung des Rathauses angekauft habe, doch finde ich diesen Ankauf in keinem der einschlägigen Ausgabsbücher belegt, auch wird in den Losungsbüchern jener Zeit kein Hauseigentümer Chemnitzer am Marktplatze genannt. Dagegen fand ich im Ausgabsbuche 1723/24, auf Fol. 12b die Post. "den 12. Mai 1723 dem Hans Ruster wegen des von ihm erkaufften und an der Stadt Rathau anliegenden Hauses hinter der Schul abgekaufften Hauses pr. 2200 fl. die Anschrift (=1. Rate) mit 1000 fl. bezahlt." Dieses Haus stand also hinter dem Zedwitzer Haus, an Stelle des rückwärtigen Traktes des heutigen Neuen Rathauses. Nach dem Ankaufe 1697 ruht die Sache einige Jahre. Erst im Jahre 1712, am 28. November, werden "dem Heren Allaprande (richtig Alibrandi), Ober-Baumeister im Königreich Böheimb, als er mit Hrn. Obristwachtmeister Eckchen und Hrn. Landmesser von Prag den Augenschein im Zedwitzerhaus gehabt 12. fl. verehrt" (A.B. 1712, Fol. 11b). Wieder vergehen einige Jahre. Am 12. Juni 1721 wurden "dem Hrn. Baumeister aus Prag vor dem gemachten Rib (Bauplan) zum hiesigen neuen Rathaus auf abschlag /: bis solcher wirdt revidiret seyn und das beliebige darüber resolvieret werden :/ gezahlt 75 fl." (A.B. 17212, Fol. 95a), und am 16. Juli 1722 erhielt der "Herr Baumeister aus Prag wegen des zu allhiesigen Rathaus bau gemachten vollkommenen Riebes über die bereits vor einem jahr empfangenen 75. fl. den Rest gar bezahlet mit 75 fl." (A.B. 1722, Fol. 14a). Im Frühjahr 1723 wird mit dem Bau begonnen. Im März d.J. werden, "den beeden Maurermeistern, so das Zedwitzhaus und das hintere Haus eingerissen," wiederholt Wochenbeträge ausbezahlt. Bei einzelnen Posten werden auch die Maurermeister namentlich angeführt. Es sind dies: Angelus Pfeffer 9) und Johann Christof Faber. Es wird zuerst "das hintere Rathaus" in Angriff genommen. Am 8. Mai (1723) erhielt Meister Angelus Pfeffer "für ausstempfung des grundts 2 fl. und der Steinmetz Adam Silbermann "vor ein quatter stuckh zum grundstein 1 fl. 20 kzr. ausgezahlt" (A.B. 1723, Fol. 43b). Nun folgen zahlreiche Ausgaben: Für Bruchsteine, die "vom Anthenstein" auf der Eger zu dem damals noch offenen (heute vermauerten) Sandtor herabgeflöbt, für Quadersteine, die aus Rommersreuth, für Ziegel (bis ultimo April 1724 70.200 Stück), die aus den beiden städtischen Ziegeleien, für Holz, das aus dem Buchwald und aus der Soos bei Kreuzenstein, für Kalk, der aus Waltershof und für Sand, der vom "Fuxgang" (oberhalb Stein) und von Reichersdorf zugeführt wird. Zahlreich sind auch die Löhne für die Abfuhr "des gerieds" (des Schuttes). Am 12. Feber 1724 erhielt Angelus Pfeffer wegen des abkopierten "Rüebes zum Rathausbau 30 fl." (A.B. 1724, Fol. 122a). Durchschnittlich sind täglich 30 Maurergesellen mit einer Anzahl Lehrjungen beschäftigt. Im Sommer 1724 ist das hintere Rathaus im Rohbau ausgeführt, und am 23. Juni werden "den zimmerleuthen, so das Dachwerckh zum hintern bau abgebundten, zahlt 13 fl. 26 1/2 kzr.," am 1. August "denen zimmerleuthen wegen des aufzuheben angefangenen hinteren Rathausgebäu auff einen trunckh geben 2 fl. 38 kzr. und den fünf thurnern (Türmern), so bey einschlagung derer ersteren nägel die Trompetten geblaben, ingleichen 1 fl. 15 kzr." (A.B. 1724, Fol. 41a, 42b). Als Zimmermeister werden die Gebrüder Mathes und Thomas Wolf genannt. Am 19. August und die folgenden Tage wird das hintere Rathaus vom Ziegeldeckermeister Andreas Geschierr "gelattnet und zugehängt" (A.B. 1724, Fol. 50a). Ende des Jahres 1724 wird mit dem Bau des vorderen Rathaus begonnen und es erhält am 6. November 1724 der Zinngie er-Meister Niklas Mühlvrentzel, "vor ein kleines zünnernes kästel, so bey dem grundsteinlegen des neuen Rathauses mit eingesetztet worden, 1 fl. 24 kzr." (A.B. 17244, Fol. 121a). Auf mehreren Folien der Ausgabsbücher 1724/25, werden wieder Ausgaben für Maurer-, Schlosser- Schmiede- und Steinmetzarbeiten verrechnet. Die Schlosserarbeiten, darunter "die gütter und korbgütter zu den fenstern", werden von den Meistern Georg Mathes und Gregor Andreas Herbeck, die Schmiederarbeiten von den Meistern Adam und Kaspar rab und Johann Kuntz und die Steinmetzarbeiten von den Meistern Wilhelm 10) und Peter Antoni Feltzer, Peter Rubner, Arnold Zembsch und den schon erwähnten Adam Silbermann ausgeführt. Die beiden Feltzer werden mitunter auch Bildhauer genannt. Im Oktober 1725 ist auch das vordere Rathaus im Rohbau hergestellt, und am 24. Oktober d.J. werden "denen zimmerleuthen wegen des aufgesetzten vortern neuen Rathausgebäu zum gewöhnlichen Heebbier und brod 2 fl. 30 kr. verehrt" (A.B. 1725, Fol 41). Ende dieses Monats wird "das Rathaus gegen den marckh zu eingelattent". (Ebenda, Fol. 52b.) Im Oktober d.J. erhält auch der Bildhauer Peter Antoni Feltzer "vor die 2 schnürkel von 4 stuckh zum neuen Rathausbau sauber auszuarbeiten 16 fl. und vor das Capital unter dem Hauptgesim, gegen den marckh zu, auszuhauen 22 fl." (A.B. 1725/26, Fol. 118ab). Am 21. Jänner des Folgenden Jahres (1726) erhält der Mauerermeister Christof Faber "vor ausmessung der steinmetzarbet im neuen Rathaus, womit er 2 1/2 Tag, a 21kr. nebst einen lehrjungen, a 18 kr., zubracht 1 fl. 28 1/2 kr." (A.B. 1725/26, Fol. 49b). Im Juni nimmt der "Herr Baumeister aus Prag" wieder "eine Inspektion des Baues" vor und erhält dafür 75 fl. (Ebenda, Fol. 123a). Im September werden die Dachrinnen angebracht und im November wird das Rathaus mit einem Anstrich versehen, wozu "gelbe und wei e kreide, umbra, gebrannter und ungebrannter gibs und leimleder" reichlich verwendet werden (Fol. 125-127). In den folgenden Monaten bis ins Frühjar 1727 hinein werden "die postament und staffeln zur Hauptstieg" hergestellt, welche Arbeiten von Adam Silbermann und (einem neuen Meister) Arnold Zembsch ausgeführt werden (Fol. 128, 129). Zu gleicher Zeit werden auch Hafner-, Glaser- und Schlosserarbeiten in Angriff genommen. Sämtliche Türschlösser werden vom meister Georg Andreas Herbeck hergestellt (Ebenda). Das Ausgabsbuch 1727 (Fol. 12a) meldet auch "von einem groben hangleichter am Rathauspletz". Am 18. Juli d.J. (1727) erhält Peter Antoni Feltzer "vor die gemachten zierrathen über denen sechs obern fenstern gegen den marckh zu 3 fl." (Fol. 131) und am 16. August "Herr Karl Hofreuter 11) vor die zwey groben trachenköpff 12) am Rathausbau gegen die gassen oder marckh heraus mit ölfarben anzustreichen, dann mit gutem goldt zu vergodten 15 fl." (Fol. 131a). Am 5. September d.J. erhält derselbe maler "vor die grün angestrichene und mit gutem gold gefasseten stangen zu den rinnen-trachen uffn Rathaus 11 fl." (Fol. 119a), am 18. Oktober Niklas Haberstumpf "vor gemachte vier entwürff zur malerei über sich in die Decken im neuen Rathausbau 6 flf. (Fol. 119b), am 22. Oktober Peter Antoni Feltzer "vor dab in der Decken bey der Hauptstieg im neuen Rathaus von gips gemachte aug Gottes, dann die kayserlich, unarische, böhmische und österreichische, wie auch der Herrn Burgermeister ihre wappen, 13) laubwerckh samt den ovalen am mittleren stockh über den thieren 85 fl." (Fol. 119b) und am 5. Dezember werden dem Gerstel Mayer, Juden im Schönwald, vor 2400 grobe, durchsichtige, schöne Scheiben zu Rathausfenstern 55 fl. 12 kr. (Fol. 120a) und demselben "Gersteljuden" am 4. Feber 1728 "neuerlich vor 4080 grobe, schöne spiegelscheiben zum rathaus 93 fl. 35 kr. zahlt" (A.B. 1728, Fol.122a). Nur einige Posten seien schlieblich noch aus dem Ausgabsbuch 1728 hervorgehoben. Am 31. Jänner erhält "Meister Kaspar Haberlitz vor ein gemachtes hölzernes modell nach dem mabstab zur steinernen stieg im neuen Rathaus 9 fl." (Fol. 122a), am 4. Feber "Meister Georg Mathes Herbeckh vor das Hausthürschlob zum Rathaus und die zwei groben stitzen mit laubwerckh zu denen zwey groben trachenköpffen gegen den marckh zu 30 fl." (Fol 122b), am 9. Juni "Herr Carl Stlpp, bildthauer 14), vor die in dem neuen Rathausbau ausgearbeitete stauen skti. Josephi, 15) nebst 1 fl. trankgeld, 36 fl." (Fol. 130b), am 19. Juni "dem Peter Antoni Feltzer vor die groben steinernen Statuen de "Wilden Mannes" 16) oben zu endt der hauptstieg auszuarbeiten und zu verfertigen 45 fl." (Fol. 131a), am 27. Juni "dem Meister Adam Silbermann vor aubarbeiten derer steinern tocken 17) in der groben Hauptstiegen, vor 64 stuckh a 1 fl. 30 kr., zus. 96 fl." (Ebenda), am selben Tage den gennanten Meister "vor 8 lange barabet 18) stuckh, und 8 kurze, worauf diese tocken stehen, und oben damit bedeckt sind 182 fl., vor 27 artizocken 19) 19 fl. 30 kr., dann dem Peter Antoni, bildhauern, wegen derer uff diese tocken geschnittenen zierrathen 48 fl., ferner ist vor diese zu sothaner Hausstiegen verwendete und vor Culmain aub der Pfalz anhero gebrachte milde und leichte quatterstuckh, umb selbe au dem grund zu graben und aus dem gröbisten alldorth in loco aubzuarbeiten sambt denen beeden stuckhen zum grossen statuen 122 fl. 36 1/2 kr., vor Fuhrlohn, selbige anhero zu führen, ohne wab das stadtgeschirr geführet, 129 fl. 4 kr., den beeden Steinmetzen Peter Reubner und Arnold Zembschen vor 212 ellen viereckige platten zum pflastern in dem untern stockh zur ebenen erdten 84 fl. 48 kr." (Fol 131), am 28. Juli "denen samentlichen 4 meistern eines ehrbaren Handtwerckhs der glaber allhier vor die in dem vortern neuen Rathausbau gemachte samentlichen neuen fenstern, zu welchen die losungskammer die scheiben verschaffet, vor zünn, bleu und macherlohn 419 fl. 2 1/2 kr." (Fol. 134), den 30. Juli "dem (Glockengieber) Franz Vital vor die 12 messingne knöpff zu denen eybernen anhatstangen bey der grossen hauptsttieg 31 fl. 52 1/2 kr." (Fol. 135), am 7. August "dem Meister Georg Mathes Herbeckh vor die 6 eybernen anhaltstangen sambt denen haagen bey der groben Hauptstieg, zu welchen die Stadt das eyben geschaffen hat, a 11 fl., zus. 66 fl." (Fol. 136) und am 1. September "dem Meister Johann Georg Göhringer 20) vor den neu gemacht- und mit guten goldt uff beeden seithen vergoldten schein über dem haupt des heul Josephi-bildnub uff der grossen stieg 6 fl., ingleichen vor dem lilienzweig in der handt zu vergoldten und zu versilbern 6 fl., dann vor dem schein über den haubt des jesukindleins zu vergolten 6 fl." (Fol. 137b.) Noch im Zuge dieser eben angeführten Arbeiten, am 9. Juni 1728, wird "dem Hrn. P. Prädiger, Franziskanerpriester, so im neuen Rathausbau allenthalben aubgeweyhet, auff einen trunckh wein geben 1 fl." (Fol. 117a). Hiemit enden die Ausgaben für den neuen Rathausbau, der im Herbst 1728 beendet war. Die Gesamtkosten mochten sich auf c. 80.000 fl. belaufen haben. Sie sind nirgens ausgetragen, da über den Bau kein eigenes Konto geführt wurde und die einzelnen Auslagen unter verschiedenen Rubriken, wie: "Gemeine Ausgaben", "Maurer", "Zimmerleuth", "Ziegeldecker", "Steinbrecher", "Fuhr- und Karrnleuth", "Bauholz" usw. mit anderen in diese Gruppen fallende Arbeiten gebucht wurden. "Den trunckh wein" fand sich unter der Rubrik "Weinschänker." Nach einem in der "Chronika des Landes und der Stadt Eger" des Statthaltereiregistrators Johann Josef Clau er vom Jahre 1760 21) aufgenommenen, wohl von Alibrandi (den aber der Chronist gar nicht nennt) entworfenen Plan war unter Zuziehung des unteren und mittleren Rathauses ein einziger Bau mit zwei Türmen projektiert. (Siehe Abbildung 3.) Hiezu mochten die Mittel wohl nicht gelangt haben, reichten sie doch nicht zum Bau eines Turmes, denn das Rathaus trägt, wie auf dem erwähnten Bilde der Schützenfahnenweihe 1845 zu sehen ist, zu dieser Zeit noch keinen Turm. Dieser wurde erst, nachdem Eger im Jahre 1849 zum Sitze eines k.k. Kreisgerichtes bestimmt worden ist, im folgenden Jahre 1850, und da meist nur aus gesammelten Geldern, aufgeführt. Im November d.J. kam dahin auch die Stadtuhr, die seit der oben erwähnten Demolierung des alten Rathausturmes, 1805, zum Spotte der Bevölkerung aus einem dachfenster, noch dazu dem obersten hervorschaute, und nur von der gegenüberliegenden Marktfront gesehen werden konnte (s. "Schützenfahnenweihe" im Museum). Im Novemer 1850 wurde auch oben am Turm die jetzige Spitze mit dem Kreuz der Weltgegenden aufgesetzt, die auf unserem Bilde 2 noch nicht zu sehen ist. Im gennanten Jahre 1850 bezogen die Gerichte das Rathaus, und die städtischen Ämter übersiedelten in das jetzige Stadthaus, das die Stadt schon 1735 von derFamilie Junckher käuflich erworben hatte. Noch in diesem Jahre, 1850, wurden im unteren und mittleren Rathaus verschiedene Umbauten durchgeführt. Im Rathause waren auch die Partisane, mit der Wallenstein im Jahre 1634 erstochen wurde, sein Marschallschwert, sein Porträt, angeblich von van Dyck, die beiden Exekutionsbilder, die Ermordung Wallensteins und seiner Offiziere darstellen, eine Ansicht der Stadt Eger vom Jahre 1742 und die Porträts der österr. Regenten von Karl VI. bis in die Neuzeit untergebracht. All diese Gegenstände befinden sich heute im Museum. Die wertvolle alte Ratsbibliothek mit über 5700 Bänden, darunter kostbaren Inkunabeln und seltenen Werken aus dem 16. und 17. Jahrhundert, befindet sich dermalen im Stadtarchive. Viele Wertvolle Denkmäler, die sich sonst noch im Rathause befanden, darunter ein vom Egerer Hafnermeister Jonas Merz 1575 gefertigter, mit den Brustbildern römischer Kaiser und Könige gezierter Ofen, der in den Fürstenzimmern stand, ein gro er Schrank, der für Kaiser Karl VI. bestimmt war, die oben erwähnten Drachenköpfe (Wasserspeier) wanderten mit anderen Kunstschätzen, darunter dem Egerer Apostelleuchter vom Jahre 1404 aus der Arzdekanalkirche, im Jahre 1828 nach Schlob Laxenburg, wofür die Stadt von kaiser Franz I. eine schwere goldene Medaille nebst goldener kette (heute in der Rentkassa), die ehedem von den Bürgermeistern bei festlichen Anlässen getragen wurde, und die Kirche einen prächtigen Ornat erhielt, der heute auch noch in der Sakristei daselbst verwahrt wird. Das prachtvolle Stiegenhaus im Neuen Rathaus wurde im verflossenen Sommer auf Anregung des jetzigen Kreisgerichtspräsidenten Josef Dostal vom Maler Franz Fischer stilgerecht restauriert, dabei auch die Decke mit ihrem Wappenschmuck in der alten Farbenpracht wieder hergestellt. Nachtrag. Nachdem dieser Artikel bereits gesetzt und der Satz umbrochen war, erhielt ich von Herrn Baurat Dr. Ing. Karl Kühn, Landeskoservator in Prag, nachstehende Daten über den in diesem Aufsatze genannten Prager Baumeister Aliprandi. "Aliprandi (Alliprandi, Alibrandi, Alaprande, Alibrandin), zu Verona geboren, kam gegen Ende des 17. Jahrh. nach Böhmen und wird bereits 1696 als gräfl. Czerninischer Architekt gennant. Im Jahre 1699 liefert er den Entwurf für das Portal und die Kanzel der hl. Kreuzkirche der Piaristen in Kosmanos, ist 1700 hier auch an der Wiederherstellung der Loretto-Kapelle beschäftigt und erbaut 1703-1709 auch das Schlob in Kosmanos. Inzwischen mochte er nach Prag gezogen sein und sich auf der Kleinseite angekauft haben, denn nach der einen Quelle erhält er mit seinem Sohne 1702, nach einer andern 1708 das Bürgerrecht auf der Kleinseite. Zahlreiche Pläne lieferte seine Hand. Unter andern fertigte er auch die Pläne für das Piaristenkollegium und die St. Annakirche in Beneschau 1705 und das Schlob in Liblitz an. Im Jahre 1714 schliebt er den Bauvertrag für den Neubau des Piaristenkollegiums und der heil. Kreuzkirche in Leitomischl, für welche Bauten er die Oberaufsicht führt. Mit Sicherheit kann ihm auch der Entwurf für den Bau der Dreifaltigkeitskirche in Kukus, 1700-1717, zugeschrieben werden. Eines seiner bekanntesten Werke ist die Votivsäule am Kleinseiter Platz zu Prag, die nach dem Erlöschen der Pest 1713 nach seinem Entwurfe errichtet wurde. Im Jare 1706 bemüht er sich um die nach dem verstorbenen Baumeister Bayer frei gewordene Stelle des Fortifikations-Obermeisters, die ihm auch unter Übergehung des Mitbewerbers Dienzenhofer am 12. März 1706 verliehen wurde. Schon zu Ende des zweiten Dezenniums des 18. Jahrh. scheint er leidend gewesen zu sein, nimmt 1717 einen längeren Urlaub, kehrt über Aufforderung am 17. August 1718 wieder auf seinen Posten als Festungsbaumeister zurück und stirbt kaum zwei Jahre später, am 9. März 1720 in Leitomischl." Aliprandi hatt, wie ich in meinem Aufsatze bemerkte, im Jahre 1712 den ersten Augenschein anläblich des Rathaus-Neubaues vorgenommen und erhielt 1721, also nach seinem Tode "über die vor einem Jahre (1720) 75 fl. den Rest von 75. fl. gar bezahlet." Diese letzte Zahlung war also offenbar schon für die Verlassenschaft nach ihm bestimmt. Die späteren Überprüfungen des Rathausbaues, wofür "der Baumeister aus Prag" eine Entschädigung erhielt, nahm also schon Aliprandis Amtsnachfolger vor. 1)Nach Gradls "Monumenta Egrana", S. 168 und 170, galten sie als verloren. Ich habe sie im Jahre 1911 in einem Gewölbe des Dominikanerklosters aufgefunden. Gegenwärtig sind sie im Archive dieses Klosters aufbewahrt. 2) Kaspar Bruschius entstammte einer Alt-Egerer Patrizierfamilie. Er wurde am 19. August 1518 zu Schlackenwald, wohin seine Eltern auf kurze Zeit übersiedelt waren, geboren, erhielt seine erste Schulbildung in Eger, dann in Hof und bezog dann später die Universität in Tübingen. Am 13. April 1541 wurde er zu Regensburg von Kaiser Karel V. zum Dichter gekrönt und lebte zuletzt als evangelischer Pfarrer in Pettendorf. Am 15. November 1559 wurde er in einem Walde zwischen Rothenburg und Windsheim meuchlings ermordert. 3) Dieser unmittelbare Rechtszug nur an den König entspricht der von König Johann unmittelbar nach der Erpfändung des Egerlandes den Egerern vehiehenen Verfassungsurkunde von 23. Oktober 1322, worin Johann gelobt, dab die Egerer nur mit ihm und mit "cheynem chammerer von Behem nicht schullen ze schaffen haben". 4) Heute im Museum. 5) Näheres hierüber in meiner "Geschichte der Egerer Stadtuhr" im "Egerer Jahrbuch 1904." 6) Auch Klauensteuer genannt, von Klaue, weil die Steuer nach der Anzahl der Nutztiere berechnet wurde. 7) Dasselbe stand hinter der Erzdekanalkirche, da, wo sich heute die alte Infanteriekaserne erhebt. 8) Ein schon im Jahre 1608 erfolgter Ankauf dieser Kommende mubte wegen nicht eingeholter kaiserlicher und päpstlicher Genehmigung wieder rückgängig gemacht werden. Viele Jahre zogen sich damals die Verhandlungen hin. Alle Vorstellungen der Egerer beim Kaiser und anderen hohen Potentaten hatten keinen Erfolg und die Stadt mu te das Ordenshas wieder abtreten und erhielt den Kaufschilling von 55.000 fl. wieder zurück. Das Haus kam dann an die Maltheser oder Johanniter, von denen es die Stadt am 1. März 1693 um 65.000 ft. abermals erkaufte. 9) Vom Angelus Pfeffer, der als "kaiserl.Fortifikations-Pallier" am 24.Mai 1720 das Bürgerrecht in Eger erhält (Stadtbuch 1720, Fol. 10b), hat sich der Grabstein erhalten. Ich sah ihn noch gleich beim Eingange rechts des 1879 aufgelassenen alten Friedhofes. Gegenwärtig steht er weiter oben im Obertorpark. Dieser Stein, eine Pyramide darstellend, fälschlich "Pestsäule genannt, trägt Pfeffers Wappen und die Jahreszahl 1735. - Mehrere Stufen der hinteren Rathausstiege zeigen ein eingemeibeltes P (=Pfeffer). 10) Von ihm wurden auch die an der Vorderfront der Blechschmid- früheren Herrenmühle eingemauerten zwei Gedenktafeln v.J. 1684 und die an der Strabe nach Wogau stehende "Pestsäule" v.J. 1689 hergestellt. 11) Karl Hofreiter, aus Bayreuth stammend, malte 1736 auch die bekannten Exekutionsbilder im Museum, sieben Jahre zuvor, 1729, auch die Bilder im Bibliotheksaal des klosters Waldsassen. 12) Diese Drachenköpfe wanderten schon 100 Jahre später, 1828, mit anderen Egerer Kunstschätzen nach Schlob Laxenburg. 13) Es sind dies die Wappen der vier Bürgermeister: Joann Adam Junckher von Oberkunreuth, Georg Adam von Bruschen, Johann Josef Werndl von Lehenstein und Johann Christof Ernst Edler von Bruschen. 14) Johann Karl Stilp (Stilpp, Stülpp) wurde am 4. November 1668 zu Waldsassen als Sohn des Schreiners Ferd. Stilp geboren. Er zog um 1696 nach Eger und erhielt hier am 12. Juli 1697 das Bürgerrecht (Stadtbuch 1697, Fol. 174a). Im Jahre 1724 fertigte er auch die groben und die kleinen Figuren unter der Galerie des Bibliotheksaales des Klosters Waldsassen an und hat in einer der groben Figuren sich selbst verewigt (Leonia Lorenz, "Das Geheimnis des Bibliothekksaales Waldsassen, 1927"). 15) Die Statue trägt am Sockel die Inschrift: "S. JOSEPHVS CVRIAE PATRONVS" (Der heilige Joseph, des Rathauses Schutzherr). 16) Er trägt am Sockel die Inschrift: "ANNO DOMINI MDCCXXVIII." 17) Die Säulen am Geländer 18) Parapet = Brustwehr, Geländer, die "stuckh" waren die Platten über und unter den "tocken." 19) Artischocken = Blütenköpfe. 20) Er war Goldschmied und fertigte auch das in Silber getriebene Antependium des Hochaltars in der Klosterkirche Waldsassen an (Felix Mader, "Die Kunstdenkmäler von Obenplatz und Regensburg, Heft 14, Bezirksamt Tirschenreuth. München 1908"). 21) Das Original dieser Chronik befindet sich in der bischöflichen Bibliothek in Leitmeritz. Im Jahre 1899 habe ich sie ausgeliehen und eine Abschrift davon, in drei Bänden, für unser Archiv besorgt. Siegl 1929,106-122

 
 

CN1/Sturm 1952

Als sich zu Beginn des 13. Jahrhunderts die Stadt Eger derart erweiterte, daß der große langgestreckte Marktplatz und die durch Straßenzüge unterteilten Häuserblocks der Neustadt entstanden, wurde auch das bis dahin an der nördlichen Seite des Johannesplatzes befindliche älteste Rathaus in das neue Stadtzentrum verlegt. Es hatte genau in der Mitte der Ostfront des geräumigen Marktplatzes seinen beherrschenden Platz und bestand zunächst aus einem einzigen Gebäude, das gegen den Marktplatz zu durch einen zweistöckigen Vorbau die sonst geradlinige Häuserfront unterbrach. In dem ebenerdig mit Schwippbogen versehenen Vorbau befanden sichVerkaufsstände, und zwar Brotbänke, es konnten aber auch zu Markttagen, hier Tuchballen zum Verkauf ausgelegt werden (in das rathaus und unter die swibogen als vere die gen). Die zweifenstrige Vorderfront des Vorbaues endete in einem Treppengiebel, in welchem ein Erker mit einer kunstvollen Uhr, den orloyner oder sayer mit dem löwengeschrey, eingebaut war. Abgeschlossen wurde der Vorbau durch ein steiles Satteldach quer zu den Dachfirsten der langen Häuserfont und durch einen schlanken hohen Turm mit spitzigem Helm. Die Turmspitze krönte die "goldene Sonne von Neuhaus", eine Trophäe von der Erstürmung einer Raubritterburg im Jahre 1412. Im anstoßenden rückwärtigen Bauteil lag ebenerdig die Marter- oder Folterkammer und die Münze. Über diesen Räumen befand sich im ersten Stockwerk der Bernsaal (bern d. i. Steuer) oder Losungskammer, in welchem die verschiedenen Steuern und Abgaben abgeführt und verwaltet wurden. Von der in der Stirnwand des Rathausvorbaues eingebaut gewesenen Kunstuhr hat sich außer zahlreichen Eintragungen in den Stadtausgabenbüchern über Reparaturen nichts erhalten. Sie zeigte ein Zifferblatt und daneben einen Löwenkopf, sowie ein Männlein (den narren) mit einem Zepter. Das Uhrwerk stand mit einem durch einen Blasebalg betriebenen Mechanismus in Verbindung, der zu gewissen Zeiten einen Heulton (das löwengeschrey) auslöste. Jeweils bei Eintritt des Neumondes (von den pfeiffen, so zu den prummenden löwen uf den rathaus, wann der mondt neu wirdt, gehörig, zuzurichten) ertönte das weithin über Land hörbare Löwengeschrei und dabei nickte das Männlein mit dem Kopf und bewegte das Zepter. Nach chronikalischer Überlieferung soll damit dem Schalksnarren Kaiser Friedrich Barbarossas und dem Löwen, den dieser nach Eger mitgebracht haben soll, ein Denkmal gesetzt worden sein. Zu dieser Kunstuhr gehörten auch Sonne, Mond und Sterne; es sind durch sie also auch astronomische Daten angezeigt worden. Die Eintragungen über Uhrreparaturen in den städtischen Ausgabenbüchern reichen bis in das frühe 15. Jahrhundert zurück und noch 1731 erhielt Johann Thoma Thumbßer vor den löwen uffm rathaus wider klingend oder prillend zu machen 3 Gulden 30 Kreuer. Zwei Jahre später renovierte der Kunstmaler Ignaz Knieschek die sonn und mond mit feingold und erhielt den Auftrag den löben (Löwen) und das mandel (Männlein) mit gutem gold zu vergolden. Im Jahre 1805 wurde der Vorbau abgetragen und damit war auch das Ende der alten Kunstuhr gekommen. Bereits zur Mitte des 14. Jahrhunderts erwies sich das Rathaus mit seinem Vorbau als unzulänglich, weshalb der Rat der Stadt das südlich daran anstoßende Bürgerhaus käuflich erwarb. Hier waren nun die alten Ratsstuben, deren Wände mit Wappen der Alt-Egerer Geschlechter bedeckt waren, und ebenso die anderen großen Räume eingerichtet, von denen Kaspar Brusch in seiner Beschreibung des Fichtelgebirges (1542) rühmend berichtete: Das Rathaus /so am Ring stehet/ is aufs schönste gebauet/ wie es einer solchen Stadt gebühret und wohl anstehet. Es hat sechs herrliche Saaloder Stuben/ nach mancherley Handlungen und Sachen ausgethielet. Item sechs andere Stuben für der Stadt Diener (Beamte). Es hat auch eine schöne Capelle/ zu der hl. Dreyfaltigkeit Ehr erbauet. Sturm 1952, 210

 
 

CN1/Kunst 1992

Rathaus Baugeschichte Ein erstes Rathaus am Johannesplatz ist nicht erhalten. Verlegung zum neuen Markt vermutlich zur Zeit der großen Stadterweiterung. Dieser Bau wurde möglicherweise 1270 durch Stadtbrand vernichtet. Neubau im Laufe des 14. und 15. Jh. auf den Parzellen von fünf Bürgerhäusern in zwei Bauabschnitten. - Baugeschichte liegt im dunkeln. 28. November 1401: Der Stadtrat bestellt zwei Messen in der Rathauskapelle zur HI. Dreifaltigkeit. 13. Januar 1402: Pfarrer von St. Niklas zum Altardiener der Rathauskapelle bestimmt. 1427: Vorbau fertiggestellt. Seit dieser Zeit werden Reparaturen an dessen giebelseitiger Kunstuhr vermerkt. Mitte 15. Jh.: Umbau vermutlich infolge einer Feuersbrunst von 1441. 1454: Stiftung eines Altares für die Dreifaltigkeitskapelle. 1459: Instandsetzungsmaßnahmen zur Hochzeit Georg von Podiebrads: Dachreiter renoviert, Scheiben ersetzt, Wandgemälde am Vorbau von Meister Hans und Meister Paul. 1516: Innenausmalung durch Hieronymus Perssner - Gemälde des Gekreuzigten für den neuen Ratsraum. 1519 und 1527: Turmreiter erneuert. 1522: Neue Glocke im Kapellenturm. 1537: " .. die große Uhr auf dem Stadthaus gemacht". 1549: An Stelle der ehemaligen Verliese eine Wärmestube einge-richtet. 1572: Blitzschlag im Rathausturm. 1575: Prachtofen von Jonas Merz in der Fürstenstube. 1575: Glocken von St. Anna ins Rathaus versetzt. 1604: Erneuerung der "Sonne von Neuhaus". 1697: Ankauf zweier südlich angrenzender Bürgerhäuser - Plan-entwurf für einen monumentalen Barockbau über sieben Parzellen, vermutlich von Giovanni Battista Alliprandi (nach dessen Tod 1721 und 1722 Honorarzahlungen an einen "Hrn. Baumeister aus Prag" nachweisbar). 1723: Baubeginn des ersten südlichen Flügels zu der Schulgasse auf den zwei angekauften Hausparzellen unter Leitung der bei-den Maurermeister Johann Christof Faber und Angelus Pfeffer. 1727: Erster Bauabschnitt beendet; Weiterbau unterbleibt aus Geldmangel. 1728: Künstlerische Ausstattung. 1805: Abbruch des gotischen Vorbaus; Auflösung der Kapelle. Neufassadierung des nördlichen Rathaustraktes als Pendant zum Barockflügel, aber mit Rokokoelementen. 1837: Hölzerner Vorbau für die Stadtwache errichtet. 1841: Teil des alten rückwärtigen Rathauses abgerissen. 1849: Rathaus von Kreisgericht übernommen - barocker Uhren-turm nach dem ursprünglichen Plan errichtet. 1850: Abbruch des gotischen Querflügels zum Markt. 1877: Umwandlung der Fürstenstube in Speiseraum und Steueramt. 1928: Restaurierung des Treppenhauses durch Josef Dostal. Seit 1962: Nutzung als Galerie der bildenden Künste. 1969: Grundlegende Restaurierung. Baubeschreibung Gotisches Rathaus Das gotische Rathaus noch im Kern erhalten, aber durch Umbau-ten des 19. Jh. verändert. Noch ansatzweise erkennbar der ur-sprüngliche Zusammenschluß von zwei Bürgerhäusern zu einem nördlichen älteren Trakt und von drei Häusern zu einem südlichen jüngeren Trakt. Diesem war ein nicht erhaltener zweiachsiger Vor-bau von drei Geschossen mit Dachreiter und Stufengiebel vorgelagert, der sich im Erdgeschoß zu einem Laubengang öffnete (vor 1427 erbaut,1805 abgerissen). Dort im l. Stock Gerichtssaal, im 2. Stock Türmerwohnung. Hofseitige Fassade mit drei spitzbogigen Maßwerkfenstern über zwei Stockwerke aus der Mitte des 15. Jh. erhalten; vermutlich Außenwand des ehemaligen Gemeindesaales, an den die Rathauskapelle grenzte. Reste von Freskenschmuck im Erdgeschoß darunter. Im Keller bedeutende Reste eines der ältesten bekannten Rathausgefängnisse entdeckt; tonnengewölbte Zellen und fünf spitzbogige Portale erhalten. Im Erdgeschoß ein kleines Spitzbogenfenster zum Hof. Die ehemalige Anlage läßt sich rekonstruieren: drei Eingangshallen mit rückwärtigen Treppen: Hof durch seitliche Flügeltrakte und östlichen Quertrakt umschlossen. Südlicher Trakt 1841 abgerissen, darin Gaststube, Waag - und Versatzamt, Marterstube, Bier- und Metausschank. Im 1. Stock Steuerkanzlei. Im Vordertrakt Zweigeschossiger Gemeindesaal mit Kapelle, darüber Ratskanzleien. Fünf weitere Säle überliefert. Barocker Rathausneubau Ursprünglicher Entwurf Breitgelagerte zweigeschossige Monumentalfront von 21 Achsen, durch rustizierte Vorlagen in eine Abfolge zweiachsiger Travéen gegliedert, die durch variierende Fensterbekrönungen akzentuiert werden. Durch Verlagerung der vier Portale auf die Seiten und Betonung der beiden inneren Portale durch Turmaufbauten entsteht ein zweiaxiales Flügelschema, dessen Mitte aber betont wird durch einen dreijochigen Mittelrisalit und einen figurenbekrönten Dreiecksgiebel. Bedeutung: Verbindung von Barockpalast und mittelalterlicher Rathausfront zu einer der städtebaulich interessantesten Lösungen des böhmischen Barock. Ausgeführter Bau Verwirklicht wurde 1723 -1727 mit dem südlichen Seitenflügel nur ein Drittel des geplanten Gebäudes sowie 1849 der rechte Ba-rockturm; eine asymmetrische Einturmfassade, die sich von rechts nach links in drei Stufen zum Turmjoch steigert; dieses durch seine Breite, Risalit, Kolossalpilaster und Triumphbogenportal hervorgehoben. Geschoßteilung durch Haustein bzw. Stuckgesimse in bossiertes Erdgeschoß, erstes Geschoß mit geometrischer Hausteinornamentik und Obergeschoß mit verspiel-ter Stuckornamentik. Dach durch typisch Egerer Gauben geglie-dert. An den Gebäudeseiten die Durchfahrten; rechts die überbaute Münzgasse. Innenaufteilung: Der Haupttrakt. der rechtwinkelig anschließende Hoftrakt und der rückwärtige Trakt entlang der Schulgasse sind durch ein zentrales Treppenhaus erschlossen, das sich im Quadrat zwei Stockwerke hoch wendelt. Es ist heute über den linken Durchgang zum Hof zugänglich. Dieser Durchgang ist als Halle dreiteilig überwölbt und von toskanischen Säulen flankiert; vermutlich war er als offene Säulenhalle zum geplanten Mittel-trakt konzipiert. Das Treppenhaus ist in allen Stockwerken zu einer Diele geöffnet, die die Gebäudetrakte erschließt. Hoftrakt: Jeweils ein Saal und zwei tonnengewölbte Räume in den einzelnen Geschossen (ehemals Archiv von Stadt und Burg, Stadtbibliothek). Haupttrakt: Im Erdgeschoß und 1. Stock zwei repräsentative Säle mit Vorzimmern und Kanzleien. Im 2. Stock Ratsstube zwischen zwei symmetrischen Räumen (Bürgermeisterkanzlei). Innenausstattung: Treppenhaus von Spiegelgewölbe überdeckt; von toskanischen und ionischen Pilastern gegliedert; durch Pinienzapfen, Wand- und Deckenstukkaturen und zwei Sandsteinfi-guren auf den Brüstungspodesten zum 2. Stock geschmückt: hl. Josef von Johann Carl Stilp, keulenschwingender Herkules ( Wilder Mann) von P. Anton Felsner. Deckenstuck von letzterem durch Profilbänder in geometrische Felder geteilt: in der Mitte vier Bürgermeisterwappen um das Auge Gottes, von Ovalrelief mit Tugendallegorien umschlossen, umgeben von Rankenwerk. Außen Wappen der Länder Böhmen, Österreich, Ungarn und des Hauses Habsburg. Säle im 1. Stock: Tonnengewölbt, mit Stichkappen; Deckenspiegel in reichen Stuckrahmen. Eingangstüren von plastischen Stucksupraporten bekrönt. Säle im 2. Stock: Spiegel- und Muldengewölbe. Stuckierung einfacher durch Simse und Spiegelrahmen. Fragment des ehemaligen Heizraumes mit Eselsrückenportal erhalten. Die mobile Ausstattung ging im 19. Jh. verloren. Die meisten Ausstattungsstücke der Gotik und der Renaissance wurden nach Schloß Laxenburg bei Wien gegeben. Handwerker am Bau des Neuen Rathauses Maurermeister: Angelus Pfeffer, Christof Faber Maler: Karl Hofreuther, Niklas Haberstumpf Zimmerleute: Mathes und Thomas Wolf Dachdecker: Andreas Geschier Zinngießer: Niklas Mühlfentzel Schlosser: Georg Mathes und Gregor Andreas Herbeck Schmiede: Adam und Kaspar Rab und Johann Kuntz Schreiner: Kaspar Haberlitz Bildhauer: Peter Anton Felsner und Carl Stilp Steimnetzen: Wilhelm und Peter Anton Felsner, Peter Ruebner, Arnold Zembsch Glockengießer: Franz Vidal Goldschmied: Georg Göhringer Kunst 1992,157

 
 

CN1/Katalog 1994

Rathaus Fassadenentwurf G.B. Alliprandis, 1722. In diesem Entwurf ist bereits der erste und einzig ausgeführte Bauabschnitt kenntlich gemacht. Es ist eine breitgelagerte Fassadenfront von 13 Jochen, die untereinander durch die Art der Fensterbekrönung variiert und durch rustizierte Vorlagen voneinander getrennt sind. In der Nachfolge der Münchner Residenzfassade, die bereits in den Prager Stadtpalästen übernommen wurde, ist sie zweiaxial aufgebaut: Zwei Portale sind seitlich auf die Flügel verteilt, wobei die inneren von Türmen überhöht werden. Gleichzeitig ist die Mitte in der Tradition des mittelalterlichen Rathauses betont durch einen dreiachsigen Risalit mit figurenbekröntem Dreiecksgiebel und durch die Andeutung eines Mittelportals (ein zwischen Pilaster eingespannter Rundbogen). Trotz einer Vielzahl von Einzelformen ist hier eine in Proportionen und Akzenten ungemein ausgeglichene Fassade gelungen, die durch gleichmäßig durchlaufende Gesimse ruhige Stabilität in der Horizontalen und durch die in den Jochen dezent vorbereiteten Türme eine repräsentative Kraft in der Vertikalen erhalten. Die zweiachsigen, vielfältig gestalteten Joche sind feinfühlig abgestimmt auf die damals noch gotisch schmalgiebelig gegliederte Platzwand und transponieren sie ins Barocke. Es ist zu bedauern, daß der Stadt damals die Kraft fehlte, diesen einheitlichen Entwurf zu realisieren. Rathaus, Außenansicht. Das alte gotische Rathaus war, obwohl es Mitte des 14. Jahrhunderts durch das südlich ansichließende Bürgerhaus erweitert worden war, zu eng und zu wenig repräsentativ für die angewachsene Stadtverwaltung geworden. 1721 - 1722 Neubau und Entwürfe durch den am Festungsbau tätigen Prager Baumeister Giovanni Battista Alliprandi aus Verona. 1723 - 1728 Bauausführung des ersten rechten Flügels auf dem Areal des 1697 südlich der zwei alten Rathäuser angekauften Zedwitzhauses durch die Egerer Festungsbaumeister Angelus Pfeffer und Joh. Christoph Faber. Wegen Geldmangels unterbleibt die Fertigstellung des gesamten Bauprojektes, werden die Alten Rathäuser weiter mitbenützt. 1805 Abbruch des gotischen Vorbaus. 1850 Übersiedelung der Stadtverwaltung in das heutige "Stadthaus". Obgleich nur ein Torso des dreifach größer geplanten Rathauses, vermag der ausgeführte Bautrakt noch zu überzeugen. Wohl um die alten Rathausgebäude während der Bauarbeiten weiter benützen zu können, wurde zunächst nur der rechte Flügel ausgeführt. So ergibt sich eine Akzentsteigerung von rechts nach links, die jedoch in dem erst 1849 realisierten Turmaufbau annehmbar motiviert erscheint. So hat diese Lösung Nachfolge im Rathaus von Pisek gefunden. Die im Entwurf nicht vorgesehenen Dachgaubenreihen sind ein typisches Element des Egerer Barockhauses. Treppenhaus Das Rathausinnere läßt ahnen, wie prunkvoll der Bau ursprünglich geplant war. Mittelpunkt ist der monumentale Stiegenaufgang, der zweistöckig im Quadrant um ein offenes Stiegenhaus geführt ist. Toskanische und ionische Pilaster gliedern die Wände, Pinienzapfen schmücken die Ballustraden, Stukkaturen gliedern die Wände, und zwei Sandsteinfiguren krönen die Podeste zum zweiten Stock. Die eine ein Hl. Josef, der Schutzpatron der Stadt, von Joh. Karl Stilp, die andere eine keulenschwigende Herkulesgestalt mit dem Wappen der Stadt, wie sie ähnlich am unteren Marktbrunnen steht, von P. Anton Felßner. Die allgemein als "Wilder Mann" bezeichnete Figur wird u.a. auch als Heldenkönig Aleman gedeutet und wurde im 19. Jahrhundert als eine Art Wappenzeichen der Stadt verwendet. Das Spiegelgewölbe des Treppenhauses wurde von P. Anton Felßner stuckiert und von Nikolas Haberstumpf ausgemalt. Um das Auge Gottes sind die Wappen vier damaliger Bürgermeister, des Kaiserreichs, Ungarns, Böhmens und Österreichs angeordnet, sowie Allegorien der vier Kardinaltugenden in Ovalreliefs, umgeben von Ornamentfeldern mit Bandelwerk. Katalog 1994,95-6

 

Für die Öffentlichkeit lediglich zu den Betriebszeiten des Rathauses geöffnet.

 

Kontakte/Ansprechpersonen

Adresse: náměstí Krále Jiřího z Poděbrad 1/14

 

Bilder

Rathaus. Gesamtansicht im Jahre 1845. Zeichnung V. Prökl

Rathaus. Gesamtansicht im Jahre 1845. Zeichnung V. Prökl

Rathaus. Gesamtansicht im Jahre 1850. Zeichnung V. Prökl

Rathaus. Gesamtansicht im Jahre 1850. Zeichnung V. Prökl

Rathaus. Gesamtansicht im Jahre 1998

Rathaus. Gesamtansicht im Jahre 1998

 
Rathaus. Gebäude (1c). J. Haberzettl 1900

Rathaus. Gebäude (1c). J. Haberzettl 1900

Rathaus. Gebäude (1c) im Jahre 1938

Rathaus. Gebäude (1c) im Jahre 1938

Rathaus. Gebäude (1c) im Jahre 1947

Rathaus. Gebäude (1c) im Jahre 1947

 
Rathaus. Gebäude (1c) im Jahre 1953

Rathaus. Gebäude (1c) im Jahre 1953

Rathaus. Gebäude (1c), Fassade 1979

Rathaus. Gebäude (1c), Fassade 1979

Rathaus. Gebäude (1a, b, c) im Jahre 1946

Rathaus. Gebäude (1a, b, c) im Jahre 1946

 
Rathaus. Gebäude (1a) im Jahre 1946

Rathaus. Gebäude (1a) im Jahre 1946

Rathaus. Gebäude (1a), Fassade 1979

Rathaus. Gebäude (1a), Fassade 1979

Rathaus. Gebäude (1b). Interieur. 5.7.1952

Rathaus. Gebäude (1b). Interieur. 5.7.1952

 
Rathaus. Gebäude (1b), Fassade 1979

Rathaus. Gebäude (1b), Fassade 1979

Rathaus. Projektentwurf von  G. Alliprandi, 1722

Rathaus. Projektentwurf von G. Alliprandi, 1722

Rathaus. Das alte Gebäude (1a,b) im Jahre 1805. Zeichnung V. Prökl nach K. Huss

Rathaus. Das alte Gebäude (1a,b) im Jahre 1805. Zeichnung V. Prökl nach K. Huss

 
Rathaus. Bauplan. Gebäude (1b) mit nicht erbautem Turm, K: Gschier, 1804

Rathaus. Bauplan. Gebäude (1b) mit nicht erbautem Turm, K: Gschier, 1804

Rathaus. Bauplan. Fassadenumbau, 22.6.1829

Rathaus. Bauplan. Fassadenumbau, 22.6.1829

Rathaus. Bauplan. Gebäude (1b), 2.3.1832

Rathaus. Bauplan. Gebäude (1b), 2.3.1832

 
Rathaus. Bauplan. V. Prökl, 10.3.1836

Rathaus. Bauplan. V. Prökl, 10.3.1836

Rathaus. Bauplan. Rathausturm, 1849

Rathaus. Bauplan. Rathausturm, 1849

Rathaus. Bauplan. Grundrisse, 14.12.1848

Rathaus. Bauplan. Grundrisse, 14.12.1848

 
Rathaus. Bauplan. Umbau des Radoutensaales, 27.8.1849

Rathaus. Bauplan. Umbau des Radoutensaales, 27.8.1849

Rathaus. Bauplan. Gebäude (1b), 3.12.1876

Rathaus. Bauplan. Gebäude (1b), 3.12.1876

Das Rathaus 2013

Das Rathaus 2013

 
Das Rathaus 2013

Das Rathaus 2013

Das Rathaus 2013

Das Rathaus 2013

Das Rathaus 2013

Das Rathaus 2013

 
Das Rathaus 2013

Das Rathaus 2013

Das Rathaus 2013

Das Rathaus 2013

Das Rathaus 2013

Das Rathaus 2013

 
Das Rathaus 2013

Das Rathaus 2013

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Interaktive Enzyklopädie der Stadt Cheb

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Liste der 200 namhaftesten Sehenswürdigkeiten in Cheb (Eger).