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Vinzenz Prökl *23.10.1804 - †15.4.1887

 

Geboren als ältester Sohn eines Papierwerkbesitzers in Hartenberg wurde er nach Abschluss des Schulbesuchs in Gossengrün Beamtenpraktikant und anschließend Anwaltsschriftführer in Karlsbad. Mit vierzehn Jahren wurde er technischer Zeichner im Baubüro Ing. Stöhr, er lernte beim Baumeister Moder und danach begann er seine eigenen Bauten zu leiten.

Im Januar 1823 verlässt der neunzehjährige Baubeamte V. Prökl Karlsbad und tritt in die Dienste des Magistrats der Stadt Eger ein, wo er weitere 55 Jahre blieb. Die ersten zehn Jahre leitete er die technische Abteilung des Bauamtes. Er war Autor vieler Baupläne von zahlreichen öffentlichen sowie privaten Gebäuden, leitete den Bau des Gymnasiums, war mit der Aufsicht der Baugestaltung der Kurquellen beauftragt und führte verschiedenste Buchhaltungstätigkeiten durch. Die Buchhaltung blieb auch nach wie vor seine Hauptbeschäftigung. Im Jahre 1833 legte er in Prag in diesem Fach ein Staatsexamen ab und wurde vom Bürgermeister Totzauer an die Stelle des Stadtkassekontrolleurs berufen.

Die nächsten fünfzehn Jahre allseitiger buchhalterischer Tätigkeit stellen Prökl als einen unersetzbaren Referenten der Stadtverwaltung von Eger dar. Er hilft als Steuer- und Wohnungsreferent aus, ist Revisor und Kontrolleur der Stadtämter, Kassenwart und Geschäftsführer von vielen Vereinen und Fonds. In dieser Zeit profiliert er sich als allseitiger Organisator des Kulturlebens der Stadt, organisiert Bälle und Vergnügungsveranstaltungen, gründet einen Gesangverein und stellt seine Zeichenkunst bei Herstellung von Diplomen und Ehrenurkunden der Stadt Eger zur Verfügung. Nach 1848 arbeitet er weiterhin als Buchhalterrevisor. Im Jahre 1856 wurde er zum Kurinspekteur und als Geschäftsführer eines Versands bereiste er ganz Europa. Im Jahre 1873 wurde er mit der Inspektion beim Theaterbau in Eger beauftragt und in den Jahren 1874 – 1878, vor seinem Weggang in die Rente, mit der Verwaltung des Archivs und Museums.

Prökls mannigfaltige gemeinnützige Tätigkeit, die bis in die Greisjahre nicht ruhte, machte aus ihm eine allgemein bekannte Persönlichkeit des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens der Stadt Eger des 19. Jahrhunderts. Seine dienstfertige Loyalität und für die Biedermeier-Verhältnisse übertriebene Aktivität und Aufopferung für das sog. Gemeinwohl charakterisieren ihn jedoch auch als Begründer der Tradition der nicht immer glücklichen Ansicht des Kulturmachers als eines unerlässlichen Alleswissers.

Neben diesen abwechslungsreichen Tätigkeiten, im deren Rahmen er unterschiedliche Arbeiten ausübte, die, wie er selbst stolz hinzufügt, „andere entweder nicht machen wollten oder nicht konnten“, schrieb er sich dauerhaft in die Kulturgeschichte der Stadt Eger mit seinem Chronisten- und Geschichtswerk ein. In seiner ersten Amtszeit als Archivverwalter in den Jahren 1835 – 1858 verfasste er fünf Bände einer umfangreichen Stadtchronik mit mehr als 1000 Plänen und Abbildungen. Aus dieser Chronik schöpfte er auch Material für die Bearbeitung der zusammenfassenden Geschichte Egers und des Egerlandes, die er zum ersten Mal im Jahre 1845 herausgab. Ähnlicherweise schrieb und illustrierte er die Chronik der Stadt Franzensbad, schrieb Erinnerungsbücher der Scharfschützen nieder, verfasste Aufsätze über die Geschichte der Burg Seeberg, über Wallensteins Tod in Eger usw.

Prökl war auch direkter Augenzeuge des Eintritts der Stadt in eine neue Ära, als oft rücksichtslos alles Alte vernichtet wurde und als während einiger Jahrzehnte die meisten der 50 Wehrtürme verschwanden, als Stadttore demoliert wurden und es zu einem unsensiblen Umbau der historischen Gebäude kam. Als Konservator von Baudenkmälern bemühte sich Prökl deshalb mit Anstrengung aller seiner Kräfte um die Erhaltung des Kulturerbes und sein bösartiger ironischer Aufschrei: ‚Nur weiter so!’ gegenüber dem Uninteresse an historischen Stadtdenkmälern wurde zum beflügelten Motto auch vieler anderer Generationen.

Prökl trat ausdrucksvoll auch in die Geschichte des Museumswesens im Egerland ein. Seine Chronik wurde zu einem der ersten Sammelgegenstände des neu gegründeten Museums, für das Museum zeichnete er 220 Wappen von bekannten Egerer Familien und er war auch einer der aktivsten Sammler bei der Ergänzung der Museumssammlungen. Prökl half auch beim Aufbau der ersten Dauerausstellung und in den Jahren 1874 – 1878 war er dann mit der provisorischen Verwaltung des Museums beauftragt. Zu dieser Zeit trat jedoch schon die neue Generation auf, repräsentiert durch den Gründer des Museums G. Schmid und den Kustos H. Gradl, die die neuen Aufgaben des Museums und Archivs mit der notwendigen wissenschaftlichen Kenntnis und einer theoretischen Klarstellung der Arbeitshauptziele angingen. Alldem war der alte und kranke Prökl, im Begreifen der zeitgemäßen Aufgaben des Museums und Archivs zu viel in der alten Zeit verwurzelt, nicht mehr gewachsen und geriet immer mehr in die Rolle eines altmodischen Traditionalisten, der die neue Zeit nicht versteht.
In diesem Sinne wurden auch Prökls Chronik und seine zweibändige Geschichte Egers und des Egerlandes von weiteren Generationen einer legitimen Kritik unterzogen. Der Vorwurf lautete auf einen zu romantisierenden unkritischen Zugang zu Quellen und auf zu viele Ungenauigkeiten in der Bearbeitung von einzelnen Themen. Wenn man jedoch erwägt, dass es sich um den ersten Versuch einer Niederschreibung der zusammenfassenden Geschichte dieser Region handelte, und dass ihm nur ein ungegliedertes und unkomplettes Archivmaterial zur Verfügung stand, ist Prökl unumstritten, auch mit Hinblick auf alle Vorwürfe und Vorbehalte, die Rolle des Begründers der Egerer Historiographie zuzuschreiben. Vor allem aber Prökls wahrhaftes und unermüdliches Engagement für die Erhaltung der Kulturwerte macht ihn und sein Werk aktuell auch in der Zeit, wo man bald sein 200. Geburtstagsjubiläum feiern wird.

 

 

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Interaktive Enzyklopädie der Stadt Cheb

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