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Georg Schmid *23.9.1844 - †12.3.1885

 

(geb. 23.9.1844 in Eger, gest. 12.3.1885 auf dem Grünberg bei Eger)

Sohn eines Egerer Schmiedmeisters. Nach dem Besuch des hiesigen Gymnasiums studierte er an der Prager Universität Mathematik und Physik, später widmete er sich dem Studium der Prähistorie. Nach einem kurzen Intermezzo am Gymnasium auf der Kleinseite in Prag kehrte er in seine Heimatstadt zurück und übernahm hier im September 1869 die freie Stelle des Archivars und Bibliothekars, die er bis Mai 1874 innehatte. Neben der reichen Publikationstätigkeit, die heimatkundlich orientiert war, schaffte er während dieser Zeit die Notwendigkeit der Existenz des Museums zu verteidigen und sein Programm zu formulieren, Museumssammlungen zu gründen, zu sortieren und zu installieren und so die offizielle Gründung des Egerer Museums herbeizuführen.

 

Eger verließ Schmid nach der Zurückweisung seines Antrags auf eine Gehaltserhöhung. Zuerst bekleidete er den Posten eines Beamten in der Studienbibliothek in Salzburg, später wurde er zum Verwalter der Universitätsbibliothek im steiermärkischen Graz. Vielleicht waren es das nie überwundene Trauma der nicht anerkannten fünfjährigen Arbeit in Eger und die nicht gerade günstige finanzielle Situation, die ihn zu seiner letzten verzweifelten Tat führten. Ende Februar 1885 begab er sich zu Fuß auf den Weg nach Eger. Nach einem vierzehntägigen anstrengenden Fußmarsch gelangte er schließlich auf den Grünberg. An der Stelle, die eine der schönsten Aussichten auf die Stadt Eger bietet, nahm er sich durch einen Kopfschuss um den 12. März 1885 das Leben. Seine Leiche entdeckte man erst in zwei Tagen.

 

Georg Schmid gehört zu denjenigen Persönlichkeiten der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, die mit ihrem Wirken das kulturelle Bild der Stadt Eger bedeutend beeinflussten und zum Aufschwung brachten. Schmid kam nach Eger schon mit dem klaren Ziel, eine Kollektion von Sammelgegenständen zu schaffen, die die historische Entwicklung des Egerlandes belegen würde. Von Anfang an verstand er die Bibliothek und das Archiv nicht als selbständige, sich frei ergänzende Subjekte, sondern als zwei Abteilungen einer höheren Gesamtheit der städtischen wissenschaftlichen Sammlungen. Im Laufe des Jahres 1870 trat er dann an die Museumskonzeption und ihre Erfüllung durch Zusammenstellung eines komplexen Sammelfonds heran, der aus drei Abteilungen bestand – Archivalien, Büchern und kunsthistorische Gegenständen.

 

Ein wesentliches Merkmal der Absicht Schmids beim Aufbau der städtischen Sammlungen war die ständige Rücksicht auf die Konzeption der Sammlungen als einer kompakten, miteinander zusammenhängenden Kollektion von Belegen zur Geschichte des Egerlandes. Neben der Tätigkeit, die in der Entstehung der programmatisch auf die Region ausgerichteten Sammlungen bestand, leistet bis heute sein Begreifen des Umfangs der Dokumentationsaufgabe des Museums einen großen Beitrag. In der Ausrichtung des Programms für die Entstehung der Sammlungen, die er nicht nur im Anfhäufen und Retten der Beweise der Vergangenheit sah, setzte er eine Konzeption durch, die man heutzutage als aktive Dokumentation bevorzugt. Seine theoretische Ausrüstung gegenüber dem sich neu formierenden, objektiv existierenden Anspruch der Zeit auf die Museumsdokumentation wurde auch durch die Verteidigung des Typs und der Ausrichtung des Museums in einer Situation bestätigt, wo aktuelle Bedürfnisse die Schaffung einer einseitig spezialisierten Kunstgewerbesammlung betonten und bevorzugten. Schmid ging hier von der Analyse des regional und historisch aufgebauten Sammelfonds aus, der für ihn bei der Bestimmung der programmatischen Museumsorientierung relevant war. Dabei respektierte er ebenfalls den Inhalt der Bildungsfunktion des Museums bezüglich der Anforderungen der Wirtschaftsentwicklung und definierte sie als impliziert in Hinsicht auf den gesamten Sammelfonds.

 

Den Höhepunkt der Bemühungen Schmids um einen museologischen Zugang zur neuen Problematik kann man sowohl in der Sammleraktivität im breiteren Rahmen der heimatkundlichen Tätigkeit sehen, wo erst das Erschaffen einer Wissensbasis auf der Grundlage einer Forschungstätigkeit das Sammlungsentstehungsprogramm zu bestimmen ermöglichte, das für ihn zugleich als Voraussetzung für die Existenz des Museums dastand, als auch im Begreifen des Dokumentationswertes einer Sammlung, als er die Wertverwandlung eines individuellen Gegenstandes und seinen Übergang in eine neue Sammelgesamtheit erkannte, die eine Aussagekraft einer zusammenhängenden Ganzheit besaß.

 

Schmids vordere Stelle in der Kulturgeschichte des Egerlandes ist nicht nur damit gegeben, dass er Gründer des Museums war, sondern auch durch seine theoretische Reife im neuen Bereich des Museumswesens. Deshalb schuf die Anfang 1873 beschlossene Absicht Schmids, alle sog. städtischen wissenschaftlichen Sammlungen in ein Ganzes zu vereinigen – in das Museum der Stadt Eger, auch eine außerordentlich günstige Basis für weitere Museumstätigkeit im Egerland. Durch seine Formulierung der Aufgaben und der Funktion des Museums, die für seine Zeit eine unumstritten progressive Auffassung der Museumstätigkeit darstellte, schaffte es Schmid, das Museum in Eger an die vorderste Stelle in der Geschichte des regionalen Museumswesens in den böhmischen Ländern zu bringen.

 

 

 

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